Körperschaftsteuersatz sinkt ab 2028 schrittweise: Was das für Genossenschaften bedeutet
Aktualisiert: 22. Okt.

Rechtsstand: August 2026 · Dieser Beitrag richtet sich an Vorstände, Aufsichtsräte und Mitglieder von Genossenschaften.
Das Wichtigste in Kürze
Körperschaftsteuer sinkt ab 2028 jährlich um 1 PP: 15% (2027) auf 10% (2032).
Latente Steuern erfordern Bilanzierungsaufwand mit unterschiedlichen Sätzen 2028-2032.
Degressive AfA ab 1.7.2025 bis 31.12.2027, E-Fahrzeuge 75% im Jahr 1.
Die schrittweise Absenkung des Körperschaftsteuersatzes wurde durch das Gesetz für ein steuerliches Investitionssofortprogramm zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts Deutschland vom 14. Juli 2025 eingeführt. Erstmals seit Jahren sinkt der Körperschaftsteuersatz nicht nur einmalig, sondern folgt einem mehrjährigen Abstufungsplan: Ab 1. Januar 2028 sinkt der Satz von derzeit 15 Prozent auf 14 Prozent, danach Jahr für Jahr um jeweils ein Prozentpunkt - bis er 2032 die Marke von 10 Prozent erreicht. Genossenschaften sind nach § 1 Abs. 1 Nr. 2 KStG eigenständig als Körperschaftsteuersubjekte erfasst; die eingetragene Genossenschaft (eG) ist keine Kapitalgesellschaft. Die Satzsenkung betrifft körperschaftsteuerpflichtige Genossenschaften, soweit keine Steuerbefreiung eingreift. Bei unverändertem zu versteuernden Einkommen liegt der Körperschaftsteuersatz ab 2032 fünf Prozentpunkte unter dem bis 2027 geltenden Satz. Ob das nach Steuern verbleibende Ergebnis anschließend ausgeschüttet oder thesauriert wird, ist für die Ermittlung des körperschaftsteuerlichen Einkommens grundsätzlich ohne Bedeutung.
Wer profitiert am meisten von der Senkung?
Die absolute Entlastung hängt insbesondere von der Höhe des zu versteuernden Einkommens und von möglichen Steuerbefreiungen ab. Bei Wohnungsgenossenschaften ist insbesondere zu beachten, dass unter den Voraussetzungen des § 5 Abs. 1 Nr. 10 KStG eine Steuerbefreiung bestehen kann. Beispiel: Bei einem unveränderten zu versteuernden Einkommen von 500.000 Euro beträgt die Körperschaftsteuer bei 15 Prozent 75.000 Euro und bei 10 Prozent 50.000 Euro; die Differenz beträgt 25.000 Euro. Der handelsrechtliche Jahresgewinn ist dabei nicht mit dem zu versteuernden Einkommen gleichzusetzen. Für Raiffeisenbanken und Volksbanken in eG-Form ist die Senkung ebenfalls relevant, da Bankengenossenschaften unter die Körperschaftsteuerbestimmung fallen. Die Bundesregierung begründet die Reform mit Investitionsanreizen und einer Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland.
Ob ein nach Steuern verbleibender Gewinn ausgeschüttet oder thesauriert wird, ändert grundsätzlich nicht die Höhe des körperschaftsteuerlichen Einkommens. Davon zu unterscheiden sind genossenschaftliche Rückvergütungen nach § 22 KStG. Sie sind unter den dort geregelten Voraussetzungen nur insoweit als Betriebsausgaben abziehbar, als die dafür verwendeten Beträge im Mitgliedergeschäft erwirtschaftet worden sind. Die Körperschaftsteuersatzsenkung wirkt auf das nach den steuerlichen Vorschriften ermittelte zu versteuernde Einkommen; ein zulässiger Betriebsausgabenabzug für Rückvergütungen nach § 22 KStG kann dieses Einkommen mindern.
Latente Steuern und Bilanzierungsaufwand
Bei der Bewertung latenter Steuern sind die zum Bilanzstichtag geltenden handelsrechtlichen Vorgaben und die für den erwarteten Abbauzeitpunkt maßgeblichen unternehmensindividuellen Steuersätze zu berücksichtigen. Je nach erwartetem Abbauzeitpunkt temporärer Differenzen können unterschiedliche Körperschaftsteuersätze von 15 Prozent bis 10 Prozent in die Bewertung einfließen. Eine pauschale Vorgabe, stets sechs verschiedene Sätze anzuwenden, besteht nicht. Die Staffelung kann den Bewertungsaufwand bei Genossenschaften erhöhen, soweit sie latente Steuern nach § 274 HGB bilanzieren. Die Vorschrift ist auf Genossenschaften über § 336 HGB entsprechend anzuwenden; größenabhängige Erleichterungen sind zu beachten. Für die Bewertung ist insbesondere der voraussichtliche Zeitpunkt des Abbaus der jeweiligen Differenzen maßgeblich.
Aus der Körperschaftsteuersatzsenkung folgt keine allgemeine gesetzliche Pflicht, die Satzung bis 2027 anzupassen. Die Gewinnverwendung richtet sich nach dem Genossenschaftsgesetz und der jeweiligen Satzung. Über die Verwendung des Jahresüberschusses beschließt grundsätzlich die Generalversammlung nach § 48 Abs. 1 GenG; steuerliche Folgen sind davon getrennt nach den jeweils einschlägigen Steuervorschriften zu beurteilen. Eine allgemeine gesetzliche Pflicht, Geschäftsordnungen wegen der Körperschaftsteuersatzsenkung bis zu einem bestimmten Zeitpunkt zu überprüfen, besteht nicht.
Degressive Abschreibung kehrt zurück
Das Gesetz für ein steuerliches Investitionssofortprogramm hat die degressive AfA nach § 7 Abs. 2 EStG für bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens eingeführt, die nach dem 30. Juni 2025 und vor dem 1. Januar 2028 angeschafft oder hergestellt werden. Der Prozentsatz darf höchstens das Dreifache des linearen AfA-Satzes betragen und 30 Prozent nicht übersteigen. Dies ist besonders relevant für Energie- und Agrargenossenschaften mit hohem Investitionsvolumen. Bei begünstigten beweglichen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens verlagert die degressive AfA einen größeren Teil der Abschreibung in frühere Jahre; der konkrete steuerliche Effekt hängt von den jeweiligen Verhältnissen ab. Für Elektrofahrzeuge im Sinne des § 9 Abs. 2 KraftStG, die zum Anlagevermögen gehören und nach dem 30. Juni 2025 und vor dem 1. Januar 2028 angeschafft werden, sieht § 7 Abs. 2a EStG im Jahr der Anschaffung eine AfA von 75 Prozent der Anschaffungskosten vor; für die Folgejahre gelten die dort festgelegten weiteren Prozentsätze. Ob sich daraus bei einer Wohnungsgenossenschaft ein steuerlicher Effekt ergibt, hängt unter anderem von ihrer konkreten Steuerpflicht und den Voraussetzungen der jeweiligen Abschreibungsregelung ab.
Häufige Fragen
Wie sinkt der Körperschaftsteuersatz ab 2028 konkret?
Die Absenkung erfolgt in fünf Jahresschritten: 14 Prozent ab 1.1.2028, 13 Prozent ab 2029, 12 Prozent ab 2030, 11 Prozent ab 2031 und 10 Prozent ab 2032. Der Solidaritätszuschlag beträgt weiterhin 5,5 Prozent seiner Bemessungsgrundlage. Die Gewerbesteuer wird durch die Änderung des Körperschaftsteuersatzes nicht unmittelbar geändert; ihre Höhe hängt unter anderem vom kommunalen Hebesatz ab. Bei unverändertem zu versteuernden Einkommen sinkt der Körperschaftsteuersatz von 15 auf 10 Prozent; die konkrete Gesamtsteuerbelastung einer Genossenschaft hängt zusätzlich insbesondere von Solidaritätszuschlag, Gewerbesteuer, Steuerbefreiungen und den individuellen steuerlichen Verhältnissen ab.
Welche Genossenschaften profitieren am meisten?
In absoluten Beträgen ist die Entlastung grundsätzlich bei körperschaftsteuerpflichtigen Genossenschaften mit höherem zu versteuernden Einkommen größer. Die konkrete Wirkung hängt jedoch von Steuerbefreiungen, Abzügen und den individuellen steuerlichen Verhältnissen ab; eine Thesaurierung ist keine Voraussetzung für die Anwendung des niedrigeren Körperschaftsteuersatzes. Soweit genossenschaftliche Rückvergütungen die Voraussetzungen des § 22 KStG erfüllen und als Betriebsausgaben abziehbar sind, mindern sie das steuerliche Einkommen; die Körperschaftsteuersatzsenkung wirkt auf das danach verbleibende zu versteuernde Einkommen.
Welcher Bilanzierungsaufwand entsteht durch die Satzsenkung?
Soweit § 274 HGB anzuwenden ist, sind latente Steuern mit den unternehmensindividuellen Steuersätzen im Zeitpunkt des voraussichtlichen Abbaus der Differenzen zu bewerten. Die gestaffelten Körperschaftsteuersätze sind daher entsprechend dem erwarteten Abbauzeitpunkt zu berücksichtigen; eine Abzinsung ist nach § 274 Abs. 2 HGB ausdrücklich nicht vorzunehmen.
Müssen Satzungen wegen der Körperschaftsteuersenkung angepasst werden?
Allein aus der Körperschaftsteuersatzsenkung folgt keine allgemeine Pflicht zur Satzungsänderung. Ob bestehende Satzungsregelungen angepasst werden müssen, ist anhand ihres konkreten Inhalts und der gesetzlichen Vorgaben zu beurteilen; über die Verwendung des Jahresüberschusses beschließt grundsätzlich die Generalversammlung nach § 48 Abs. 1 GenG.
Kommt die degressive Abschreibung zurück?
Ja. Die maßgebliche Regelung beruht auf dem Gesetz für ein steuerliches Investitionssofortprogramm zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts Deutschland. Nach § 7 Abs. 2 EStG kann für bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, die nach dem 30. Juni 2025 und vor dem 1. Januar 2028 angeschafft oder hergestellt werden, eine degressive AfA angewendet werden; sie beträgt höchstens das Dreifache des linearen AfA-Satzes und höchstens 30 Prozent. Die degressive AfA kann Abschreibungsvolumen in frühere Jahre verlagern. Ob und in welchem Umfang daraus ein Liquiditäts- oder Steuereffekt entsteht, hängt von den konkreten steuerlichen Verhältnissen der Genossenschaft ab.
Quellen
Allgemeine Anfragen an den Genossenschaftsverband der Länder e.V. (GVdL): Kathrin Becher, info@gvdl.de, www.gvdlverband.de.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle steuerliche oder rechtliche Beratung.



Kommentare