Wachstumschancengesetz: Welche Instrumente für Genossenschaften nach der Anpassung bestehen bleiben
Aktualisiert: 22. Okt.
Inhaltsübersicht

Rechtsstand: August 2026 · Dieser Beitrag richtet sich an Vorstände, Aufsichtsräte und Mitglieder von Genossenschaften.
Das Wichtigste in Kürze
Die degressive Gebäude-AfA nach § 7 Absatz 5a EStG beträgt 5 Prozent vom jeweiligen Restwert für begünstigte Wohngebäude, wenn mit der Herstellung nach dem 30. September 2023 und vor dem 1. Oktober 2029 begonnen wurde; § 7b EStG ermöglicht unter zusätzlichen Voraussetzungen daneben Sonderabschreibungen von bis zu 5 Prozent jährlich im Jahr der Anschaffung oder Herstellung und in den folgenden drei Jahren.
Für Wohnungen mit Bauantrag oder Bauanzeige nach dem 31. Dezember 2022 und vor dem 1. Oktober 2029 gilt nach § 7b EStG eine Baukostenobergrenze von 5.200 Euro je Quadratmeter Wohnfläche; die Bemessungsgrundlage der Sonderabschreibung ist auf 4.000 Euro je Quadratmeter begrenzt. Zusätzlich gelten insbesondere die Anforderungen an Effizienzhaus 40 mit Nachhaltigkeits-Klasse und die Nutzungsbindung.
Die seit 2025 gesetzlich ausdrücklich geregelte Wohngemeinnützigkeit ist in § 52 Absatz 2 Satz 1 Nummer 27 AO verankert. Die Körperschaftsteuerbefreiung gemeinnütziger Körperschaften richtet sich grundsätzlich nach § 5 Absatz 1 Nummer 9 KStG; § 5 Absatz 1 Nummer 10 KStG enthält daneben eine eigenständige Steuerbefreiung für bestimmte Wohnungsgenossenschaften und Vereine. Ob Abschreibungen steuerlich wirken, hängt vom jeweiligen steuerpflichtigen Bereich ab.
Das Wachstumschancengesetz wurde am 27. März 2024 im Bundesgesetzblatt verkündet und trat grundsätzlich am 28. März 2024 in Kraft. Der Regierungsentwurf sah ein Entlastungsvolumen von rund 7 Milliarden Euro vor; nach dem Vermittlungsverfahren wurde das Entlastungsvolumen auf rund 3,2 Milliarden Euro reduziert. Einzelne Regelungen des Wachstumschancengesetzes können je nach Tätigkeit und Steuerstatus auch für Genossenschaften relevant sein, insbesondere bei Wohnungsbau, Verlustvorträgen und Forschung und Entwicklung.
Degressive AfA und § 7b EStG: Regelungen für den Wohnungsneubau
Für Wohnungsgenossenschaften kann die degressive Abschreibung für Wohngebäude nach § 7 Absatz 5a EStG relevant sein. Sie ermöglicht eine degressive AfA von 5 Prozent vom jeweiligen Restwert für begünstigte Wohngebäude, wenn mit der Herstellung nach dem 30. September 2023 und vor dem 1. Oktober 2029 begonnen wurde; bei Anschaffungen gelten die in § 7 Absatz 5a EStG geregelten Vertrags- und Fertigstellungsvoraussetzungen. Ergänzend wurde die Sonderabschreibung für den Mietwohnungsneubau nach § 7b EStG für neue Wohnungen mit Bauantrag oder Bauanzeige nach dem 31. Dezember 2022 und vor dem 1. Oktober 2029 fortgeführt; hierfür gilt eine Baukostenobergrenze von 5.200 Euro je Quadratmeter Wohnfläche und eine maximale Abschreibungsbemessungsgrundlage von 4.000 Euro je Quadratmeter. Für diese Wohnungen gelten zusätzlich insbesondere die Anforderungen an Effizienzhaus 40 mit Nachhaltigkeits-Klasse und die entgeltliche Überlassung zu Wohnzwecken im Jahr der Anschaffung oder Herstellung und in den folgenden neun Jahren.
Die seit 2025 ausdrücklich geregelte Wohngemeinnützigkeit beruht auf § 52 Absatz 2 Satz 1 Nummer 27 AO. § 5 Absatz 1 Nummer 10 KStG ist dagegen eine eigenständige Steuerbefreiung für bestimmte Wohnungsgenossenschaften und Vereine und nicht die Rechtsgrundlage der neuen Wohngemeinnützigkeit. Ob degressive AfA, § 7b EStG und eine Steuerbefreiung im konkreten Fall nebeneinander relevant sind, hängt von den jeweiligen gesetzlichen Voraussetzungen und dem steuerlichen Status der Genossenschaft ab. Eine Modernisierung oder Nachverdichtung erfüllt die Voraussetzungen für eine Neubauabschreibung nicht allein aufgrund ihrer Bezeichnung.
Forschungszulage, Verlustverrechnung und Einordnung des § 34a EStG
Für steuerpflichtige Genossenschaften können insbesondere die Regelungen zum Verlustvortrag relevant sein. Die Thesaurierungsbegünstigung nach § 34a EStG betrifft dagegen Einkommensteuerpflichtige mit betrieblichen Einkünften und ist keine Thesaurierungsregelung für eine eingetragene Genossenschaft, die nach § 1 Absatz 1 Nummer 2 KStG körperschaftsteuerpflichtig ist. Für die Veranlagungszeiträume 2024 bis 2027 wurde der Verlustvortrag bei Einkommen- und Körperschaftsteuer oberhalb des Sockelbetrags von 1 Million Euro von 60 auf 70 Prozent des darüber hinausgehenden Gesamtbetrags der Einkünfte erweitert. Die Mindestgewinnbesteuerung wurde damit nicht ausgesetzt; oberhalb des Sockelbetrags bleiben 30 Prozent von der Verlustverrechnung ausgeschlossen. Bei der Gewerbesteuer gilt nach § 10a GewStG weiterhin eine 60-Prozent-Grenze oberhalb von 1 Million Euro. Die konkrete steuerliche Wirkung hängt davon ab, ob und in welcher Höhe verrechenbare Verlustvorträge vorhanden sind und welcher Steuerart sie zuzuordnen sind. Das Wachstumschancengesetz änderte § 34a EStG, insbesondere die Ermittlung des begünstigungsfähigen nicht entnommenen Gewinns. Eine allgemeine Einbeziehung von „Altrücklagen“ wurde jedoch nicht eingeführt; für eingetragene Genossenschaften ist § 34a EStG zudem nicht die maßgebliche Thesaurierungsbesteuerung.
Das Wachstumschancengesetz erhöhte den Fördersatz für KMU auf 35 Prozent, die maximale Bemessungsgrundlage für nach dem 27. März 2024 und vor dem 1. Januar 2026 entstandene förderfähige Aufwendungen auf 10 Millionen Euro und den förderfähigen Anteil bei nach dem 27. März 2024 beauftragter Auftragsforschung von 60 auf 70 Prozent. Seit 2026 beträgt die maximale Bemessungsgrundlage aufgrund einer späteren Gesetzesänderung 12 Millionen Euro; außerdem werden bei nach dem 31. Dezember 2025 begonnenen Vorhaben zusätzliche Gemein- und Betriebskosten pauschal berücksichtigt. Ob Forschungs- und Entwicklungsprojekte einer Genossenschaft förderfähig sind, richtet sich insbesondere nach den Anspruchsvoraussetzungen des § 1 FZulG und den in § 2 FZulG genannten Kategorien Grundlagenforschung, industrielle Forschung oder experimentelle Entwicklung; die Branchenzugehörigkeit allein genügt nicht.
Was im Vermittlungsverfahren entfiel
Im Vermittlungsverfahren entfielen unter anderem die geplante Klimaschutz-Investitionsprämie sowie weitere ursprünglich vorgesehene Entlastungen. Die im Entwurf vorgesehene Mitteilungspflicht für innerstaatliche Steuergestaltungen und die geplante Anhebung der Grenze für geringwertige Wirtschaftsgüter wurden nicht Bestandteil des verkündeten Wachstumschancengesetzes. Das Wachstumschancengesetz ermöglichte für bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, die nach dem 31. März 2024 und vor dem 1. Januar 2025 angeschafft oder hergestellt wurden, eine degressive AfA mit höchstens dem Zweifachen des linearen AfA-Satzes und maximal 20 Prozent. Eine spätere, eigenständige Gesetzesänderung führte für nach dem 30. Juni 2025 und vor dem 1. Januar 2028 angeschaffte oder hergestellte bewegliche Wirtschaftsgüter eine degressive AfA mit maximal 30 Prozent ein.
Für die Einordnung im Jahr 2026 ist zwischen den Regelungen des Wachstumschancengesetzes und späteren Änderungen, insbesondere durch das Jahressteuergesetz 2024 und das Gesetz für ein steuerliches Investitionssofortprogramm vom 14. Juli 2025, zu unterscheiden. Welche steuerlichen Regelungen im Einzelfall zu berücksichtigen sind, hängt insbesondere von der Investition, dem steuerlichen Status der Genossenschaft, vorhandenen Verlustvorträgen und der jeweils einschlägigen Steuerart ab.
Häufige Fragen
Welche degressive AfA hat das Wachstumschancengesetz eingeführt?
Für bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, die nach dem 31. März 2024 und vor dem 1. Januar 2025 angeschafft oder hergestellt wurden, ließ das Wachstumschancengesetz eine degressive Abschreibung mit höchstens dem Zweifachen des linearen AfA-Satzes und maximal 20 Prozent zu (§ 7 Absatz 2 EStG in der damaligen Fassung). Die seit dem 1. Juli 2025 geltende degressive AfA mit maximal 30 Prozent beruht auf dem Gesetz für ein steuerliches Investitionssofortprogramm zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts Deutschland vom 14. Juli 2025; sie gilt für nach dem 30. Juni 2025 und vor dem 1. Januar 2028 angeschaffte oder hergestellte bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens. Für zwischen dem 1. Januar und dem 30. Juni 2025 angeschaffte oder hergestellte Wirtschaftsgüter stand diese spezielle degressive AfA nach § 7 Absatz 2 EStG nicht zur Verfügung; andere gesetzliche Abschreibungs- oder Sonderabschreibungsregelungen blieben davon unberührt.
Was bringt § 7b EStG für den Wohnungsneubau?
Für begünstigte neue Mietwohnungen ermöglicht § 7b EStG im Jahr der Anschaffung oder Herstellung und in den folgenden drei Jahren Sonderabschreibungen von bis zu jährlich 5 Prozent zusätzlich zur AfA nach § 7 Absatz 4 oder zur degressiven Gebäude-AfA nach § 7 Absatz 5a EStG. Für neue Wohnungen aufgrund eines nach dem 31. Dezember 2022 und vor dem 1. Oktober 2029 gestellten Bauantrags oder einer in diesem Zeitraum getätigten Bauanzeige dürfen die Anschaffungs- oder Herstellungskosten 5.200 Euro je Quadratmeter Wohnfläche nicht übersteigen; die Bemessungsgrundlage ist auf 4.000 Euro je Quadratmeter begrenzt. Zusätzlich müssen diese Wohnungen insbesondere in einem Gebäude liegen, das die Kriterien eines Effizienzhauses 40 mit Nachhaltigkeits-Klasse erfüllt und dies durch das Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude nachweist; die Wohnung muss im Jahr der Anschaffung oder Herstellung und in den folgenden neun Jahren entgeltlich zu Wohnzwecken überlassen werden.
Wie wurde die Forschungszulage erhöht?
Das Wachstumschancengesetz erhöhte die maximale Bemessungsgrundlage für nach dem 27. März 2024 und vor dem 1. Januar 2026 entstandene förderfähige Aufwendungen von 4 auf 10 Millionen Euro; der Zulagensatz beträgt 25 Prozent und kann für KMU um zehn Prozentpunkte auf 35 Prozent erhöht werden. Seit dem 1. Januar 2026 beträgt die maximale Bemessungsgrundlage aufgrund einer späteren Gesetzesänderung 12 Millionen Euro. Bei einer Bemessungsgrundlage von 12 Millionen Euro ergeben sich rechnerisch Höchstbeträge von 3 Millionen Euro bei 25 Prozent beziehungsweise 4,2 Millionen Euro bei 35 Prozent, vorbehaltlich der weiteren gesetzlichen Begrenzungen und Beihilfevorschriften. Die Forschungszulage wird nach § 10 FZulG auf die nächste erstmalige Festsetzung von Einkommen- oder Körperschaftsteuer angerechnet; ein danach verbleibender Überschuss wird als Steuererstattung ausgezahlt. Vollständig von der Besteuerung befreite Unternehmen sind nach § 1 Absatz 1 FZulG nicht anspruchsberechtigt.
Welche geplanten Erleichterungen wurden im Vermittlungsausschuss gestrichen?
Nicht vollständig gestrichen wurde die erweiterte Verlustverrechnung: Das verkündete Wachstumschancengesetz erhöhte den Verlustvortrag für die Veranlagungszeiträume 2024 bis 2027 bei Einkommen- und Körperschaftsteuer von 60 auf 70 Prozent des 1 Million Euro übersteigenden Betrags. Auch § 34a EStG wurde geändert. Nicht Bestandteil des verkündeten Gesetzes wurden dagegen unter anderem die geplante Klimaschutz-Investitionsprämie und die geplante Anhebung der Grenze für geringwertige Wirtschaftsgüter. Das im Regierungsentwurf mit rund 7 Milliarden Euro bezifferte Entlastungsvolumen wurde im Vermittlungsverfahren auf rund 3,2 Milliarden Euro reduziert.
Quellen
Für Fragen zur gesetzlichen Prüfungstätigkeit und zur Mitgliedschaft beim Genossenschaftsverband der Länder e.V. (GVdL) erreichen Sie uns unter info@gvdl.de und www.gvdlverband.de.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle steuerliche oder rechtliche Beratung.



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