Dividende in der Genossenschaft: So wird Gewinn an Mitglieder verteilt
Aktualisiert: 22. Okt.
Inhaltsübersicht
Gewinnanteile einer Genossenschaft können nach Maßgabe von § 19 GenG und der Satzung an Mitglieder verteilt oder ihrem Geschäftsguthaben zugeschrieben werden. Der gesetzliche Zweck der Genossenschaft ist nach § 1 Absatz 1 GenG die Förderung der Mitglieder durch gemeinschaftlichen Geschäftsbetrieb. Eine Verzinsung von Geschäftsguthaben ist davon zu unterscheiden und gesondert in §§ 21, 21a GenG geregelt. Der Beitrag ordnet Rechtsgrundlagen, Beschlussweg, Abgrenzung zur Rückvergütung, Besteuerung, Dividendenhöhen in der Praxis und die Thesaurierung ein.
Weitere Informationen zur Gewinnverwendung zwischen Dividende, Rückvergütung und Rücklagen enthält der Beitrag Dividendenpolitik in Genossenschaften: Förderauftrag, Mitgliederbindung, Rücklagen.

Rechtsstand: August 2026 · Dieser Beitrag richtet sich an Vorstände, Aufsichtsräte und Mitglieder von Genossenschaften.
Das Wichtigste in Kürze
§ 19 GenG regelt die Verteilung des bei Feststellung des Jahresabschlusses für die Mitglieder sich ergebenden Gewinns oder Verlusts; für das erste Geschäftsjahr gilt der Einzahlungsmaßstab, danach grundsätzlich das Verhältnis der Geschäftsguthaben. Über die Verwendung des Jahresüberschusses beschließt die Generalversammlung nach § 48 Absatz 1 GenG; bei einer Vertreterversammlung ist § 43a GenG zu beachten.
Gewinnanteile aus Genossenschaftsanteilen gehören bei natürlichen Personen grundsätzlich zu den Einkünften aus Kapitalvermögen nach § 20 Absatz 1 Nummer 1 EStG; soweit § 20 Absatz 8 EStG nicht eingreift, beträgt der gesonderte Einkommensteuertarif nach § 32d Absatz 1 EStG 25 Prozent. Genossenschaftliche Rückvergütungen sind davon steuerlich zu unterscheiden und in § 22 KStG gesondert geregelt.
Pauschale „marktübliche“ Dividendenhöhen für 2026 lassen sich ohne repräsentative aktuelle Datengrundlage nicht belastbar angeben. Ob Gewinn nicht verteilt, sondern Rücklagen zugeschrieben werden kann, richtet sich insbesondere nach der Satzung und § 20 GenG.
Rechtsgrundlagen der Gewinnverteilung: §§ 19 und 20 GenG
§ 19 Absatz 1 GenG bestimmt für das erste Geschäftsjahr eine Verteilung nach dem Verhältnis der auf den Geschäftsanteil geleisteten Einzahlungen und für die folgenden Geschäftsjahre grundsätzlich nach dem Verhältnis der Geschäftsguthaben am Schluss des vorhergehenden Geschäftsjahres. Die Satzung kann nach § 19 Absatz 2 GenG einen anderen Maßstab für die Verteilung von Gewinn und Verlust aufstellen. § 19 Absatz 2 GenG regelt keine vorgeschaltete Rücklagendotierung. Die Satzung muss nach § 7 Nummer 2 GenG die Bildung der gesetzlichen Rücklage bestimmen; § 20 GenG erlaubt der Satzung zudem, die Gewinnverteilung ganz auszuschließen und Gewinn Rücklagen zuzuschreiben.
Aus § 19 GenG ergibt sich kein allgemeiner gesetzlicher Ablauf, wonach der Jahresüberschuss zunächst um Rücklagen und Rückvergütung zu mindern und der verbleibende Betrag anschließend als Dividende oder Gewinnvortrag zu verwenden wäre. Maßgeblich sind vielmehr die Satzung, der festgestellte Jahresabschluss und der Beschluss über die Verwendung des Jahresüberschusses nach § 48 GenG; für eine steuerlich abzugsfähige genossenschaftliche Rückvergütung gelten zusätzlich die Voraussetzungen des § 22 KStG. Die konkrete Ergebnisverwendung ist daher aus Jahresabschluss, Satzung und Gewinnverwendungsbeschluss herzuleiten.
Gewinnverwendungsbeschluss der Generalversammlung
Nach § 48 Absatz 1 GenG stellt die Generalversammlung den Jahresabschluss fest und beschließt über die Verwendung des Jahresüberschusses oder die Deckung eines Jahresfehlbetrags. Bei Genossenschaften mit einer Vertreterversammlung nach § 43a GenG werden die Rechte der Generalversammlung nach Maßgabe der Satzung durch die Vertreter ausgeübt. § 33 Absatz 1 GenG regelt die Vorlage des Jahresabschlusses und des Lageberichts, nicht den Inhalt eines Ergebnisverwendungsvorschlags. Einen Vorschlag für die Verwendung des Jahresüberschusses oder die Deckung des Jahresfehlbetrags setzt § 38 Absatz 1 GenG als Prüfungsgegenstand des Aufsichtsrats voraus. Der Aufsichtsrat hat nach § 38 Absatz 1 GenG den Vorschlag zu prüfen und der Generalversammlung über das Ergebnis seiner Prüfung zu berichten; eine eigene Empfehlung ist dort nicht vorgeschrieben.
Die Generalversammlung beschließt mit einfacher Mehrheit der abgegebenen Stimmen (§ 43 Absatz 2 GenG), sofern die Satzung keine qualifizierte Mehrheit verlangt. Eine allgemeine gesetzliche Auszahlungsfrist von vier bis sechs Wochen besteht nicht. Der Auszahlungstermin kann sich aus dem Gewinnverwendungsbeschluss oder aus satzungsmäßigen Regelungen ergeben; für den steuerlichen Zufluss enthält § 44 Absatz 2 EStG eine eigene Regelung. Die Generalversammlung stellt den Jahresabschluss nach § 48 Absatz 1 GenG selbst fest. Wird ein bereits geprüfter Jahresabschluss bei der Feststellung geändert, gelten die besonderen Rechtsfolgen des § 48 Absatz 2 GenG, einschließlich einer erneuten Prüfung der Änderung. Ob Gewinn ganz oder teilweise nicht verteilt, sondern Rücklagen zugeschrieben werden kann, richtet sich insbesondere nach der Satzung; § 20 GenG sieht hierfür einen Satzungsvorbehalt vor.
Abgrenzung zur Rückvergütung
Gewinnverteilung und genossenschaftliche Rückvergütung haben unterschiedliche rechtliche und steuerliche Grundlagen. Die Gewinnverteilung an Mitglieder richtet sich nach § 19 GenG und der Satzung. Steuerlich gehören Gewinnanteile aus Genossenschaftsanteilen grundsätzlich zu den in § 20 Absatz 1 Nummer 1 EStG genannten Bezügen; die konkrete Besteuerung hängt insbesondere davon ab, ob die Beteiligung im Privat- oder Betriebsvermögen gehalten wird und welche Person Mitglied ist. Genossenschaftliche Rückvergütungen sind in § 22 KStG geregelt und nur unter den dort genannten Voraussetzungen als Betriebsausgaben abziehbar. § 22 KStG regelt dabei die steuerliche Abziehbarkeit auf Ebene der Genossenschaft; die Behandlung beim Mitglied lässt sich daraus nicht einheitlich ableiten.
Bei der Gewinnverteilung gilt nach § 19 Absatz 1 GenG – abgesehen vom ersten Geschäftsjahr und vorbehaltlich eines anderen Satzungsmaßstabs – grundsätzlich das Verhältnis der Geschäftsguthaben. Eine nach § 22 KStG abzugsfähige genossenschaftliche Rückvergütung muss nach der Höhe des Umsatzes zwischen Mitglied und Genossenschaft bemessen sein. Beide Instrumente lassen sich parallel einsetzen: Beide Instrumente knüpfen an unterschiedliche rechtliche Bemessungsgrundlagen an. Einen allgemeinen gesetzlichen oder branchenbezogenen Vorrang eines der beiden Instrumente sehen § 19 GenG und § 22 KStG nicht vor.
Steuerliche Behandlung beim Mitglied
Gewinnanteile aus Genossenschaftsanteilen gehören nach § 20 Absatz 1 Nummer 1 EStG zu den Einkünften aus Kapitalvermögen. Bei natürlichen Personen gilt für Beteiligungen im Privatvermögen grundsätzlich der gesonderte Steuertarif des § 32d Absatz 1 EStG, soweit keine gesetzliche Ausnahme eingreift. Soweit kein Fall der Abstandnahme vom Steuerabzug vorliegt, beträgt die Kapitalertragsteuer nach § 43a Absatz 1 Satz 1 Nummer 1 EStG 25 Prozent des Kapitalertrags; hinzu kommen Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Bei Kapitalerträgen nach § 43 Absatz 1 Satz 1 Nummer 1 EStG ist grundsätzlich der Schuldner der Kapitalerträge zum Steuerabzug verpflichtet; § 44a Absatz 4b EStG enthält für Genossenschaften besondere Fälle der Abstandnahme vom Steuerabzug, unter anderem bei einem wirksamen Freistellungsauftrag. Eine Steuerbescheinigung ist nach § 45a Absatz 2 EStG auf Verlangen auszustellen.
Der Sparer-Pauschbetrag von 1.000 Euro für Alleinstehende beziehungsweise 2.000 Euro für Ehegatten lässt sich per Freistellungsauftrag nutzen. Nach § 32d Absatz 6 EStG kann eine Günstigerprüfung beantragt werden, wenn die tarifliche Besteuerung der Kapitaleinkünfte zu einer niedrigeren Einkommensteuer einschließlich Zuschlagsteuern führt. Bei natürlichen Personen, deren Genossenschaftsanteile Betriebsvermögen sind, kann § 3 Nummer 40 Buchstabe d EStG in Verbindung mit § 20 Absatz 8 EStG dazu führen, dass 40 Prozent der Bezüge steuerfrei und 60 Prozent steuerpflichtig sind. Ist das Mitglied dagegen eine Körperschaft, etwa eine GmbH, richtet sich die Behandlung insbesondere nach § 8b KStG; bei Genossenschaftsanteilen ist dabei unter anderem die Beteiligung an der Summe der Geschäftsguthaben für die 10-Prozent-Grenze des § 8b Absatz 4 KStG relevant.
Dividendenhöhen in der Praxis
Die Höhe einer Gewinnausschüttung hängt insbesondere vom zur Verteilung stehenden Ergebnis, den satzungsmäßigen Regelungen und dem Gewinnverwendungsbeschluss ab. Für Wohnungsgenossenschaften und Genossenschaftsbanken lässt sich ohne repräsentative, aktuelle Datengrundlage keine allgemeingültige „übliche“ Dividendenhöhe angeben.
Auch für Einkaufs-, Liefer-, Energie- und Bürgergenossenschaften sind pauschale branchenspezifische Prozentangaben ohne belastbare Datengrundlage nicht verallgemeinerbar. Das GenG enthält keine allgemeine prozentuale Regeldistribution und keine pauschale 6-Prozent-Grenze. Der gesetzliche Zweck der Genossenschaft ist nach § 1 Absatz 1 GenG die Förderung der Mitglieder durch gemeinschaftlichen Geschäftsbetrieb; daraus folgt jedoch keine allgemeine prozentuale Obergrenze für Gewinnausschüttungen. Die Einordnung einer Genossenschaftsbeteiligung als Anlageentscheidung ist vom konkreten Einzelfall abhängig; eine allgemeine Anlageempfehlung ist nicht Gegenstand dieses Beitrags.
Alternative: Thesaurierung in Rücklagen
Nach § 20 GenG kann die Satzung bestimmen, dass Gewinn nicht verteilt, sondern der gesetzlichen Rücklage und anderen Ergebnisrücklagen zugeschrieben wird. Die Satzung kann außerdem vorsehen, dass der Vorstand einen Teil des Jahresüberschusses, höchstens jedoch die Hälfte, in Ergebnisrücklagen einstellt. Ergebnisrücklagen werden bei Genossenschaften nach § 337 Absatz 2 HGB als gesetzliche Rücklage und andere Ergebnisrücklagen ausgewiesen. Welche weiteren Rücklagen gebildet und welchen Zwecken sie zugeordnet werden, richtet sich nach Satzung, Jahresabschluss und den zuständigen Beschlüssen.
Eine gesetzliche Pflicht, eine vollständige Gewinnthesaurierung gegenüber den Mitgliedern durch einen Investitions- oder Eigenkapitalplan zu begründen, ergibt sich aus den genannten Vorschriften nicht. Eine allgemeingültige Aussage zu Akzeptanzwirkungen einer Thesaurierung lässt sich ohne belastbare Datengrundlage nicht treffen. Die konkrete Gewinnverwendung ist im Rahmen der gesetzlichen und satzungsmäßigen Vorgaben durch die zuständigen Organe zu beschließen und im Jahresabschluss abzubilden.
Häufige Fragen
Gibt es eine gesetzliche Obergrenze für die Dividende?
Eine allgemeine Obergrenze existiert nicht. Das GenG enthält keine Höchstdividende. Die ausschüttbare Höhe richtet sich nach dem festgestellten Jahresabschluss, den satzungsmäßigen Regelungen zur Gewinnverteilung und Rücklagenbildung sowie dem Gewinnverwendungsbeschluss. Die Satzung kann die Gewinnverteilung beschränken oder nach § 20 GenG ganz ausschließen; eine allgemeine gesetzliche 6-Prozent-Grenze besteht nicht.
Wann wird die Dividende ausgezahlt?
Eine Auszahlung setzt voraus, dass nach § 19 GenG und der Satzung überhaupt eine Auszahlung des Gewinnanteils vorgesehen ist. Eine allgemeine gesetzliche Frist von vier bis acht Wochen besteht nicht. Der Auszahlungstermin kann im Gewinnverwendungsbeschluss oder in der Satzung bestimmt sein; für den steuerlichen Zufluss gilt § 44 Absatz 2 EStG.
Muss die Dividende jedes Jahr gezahlt werden?
Nein. Ob Gewinn verteilt oder Rücklagen zugeschrieben wird, richtet sich nach dem Jahresergebnis, der Satzung und dem Gewinnverwendungsbeschluss. Eine vollständige Nichtverteilung des Gewinns kann die Satzung nach § 20 GenG vorsehen. Ein allgemeiner Anspruch auf eine jährlich positive Auszahlung in bestimmter Höhe besteht nicht; die konkrete Gewinnbeteiligung richtet sich nach § 19 GenG, der Satzung und der jeweiligen Ergebnisverwendung.
Wie wirkt sich die Dividende auf das Geschäftsguthaben aus?
Nach § 19 Absatz 1 GenG wird Gewinn dem Geschäftsguthaben zugeschrieben, solange der Geschäftsanteil noch nicht erreicht ist. § 19 Absatz 2 GenG kann der Satzung gestatten zu bestimmen, inwieweit Gewinn bereits vor Erreichen des Geschäftsanteils ausgezahlt wird; bis zur Wiederergänzung eines durch Verlust verminderten Guthabens findet eine Auszahlung des Gewinns nicht statt.
Wie hoch ist die Steuerbelastung auf die Dividende?
Bei einer natürlichen Person, die den Genossenschaftsanteil im Privatvermögen hält, gilt grundsätzlich der 25-prozentige Tarif des § 32d Absatz 1 EStG, soweit keine Ausnahme eingreift; hinzu kommen Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Aus 25 Prozent Kapitalertragsteuer und 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag auf die Kapitalertragsteuer ergibt sich rechnerisch ein nomineller Steuerabzug von 26,375 Prozent ohne Kirchensteuer, soweit keine Abstandnahme oder andere Besonderheit eingreift. Bei natürlichen Personen mit Anteilen im Betriebsvermögen ist das Teileinkünfteverfahren nach § 3 Nummer 40 EStG zu prüfen. Bei körperschaftsteuerpflichtigen Mitgliedern, etwa einer GmbH, richtet sich die Behandlung insbesondere nach § 8b KStG und dessen Voraussetzungen.
Für Fragen zur gesetzlichen Prüfungstätigkeit und zur Mitgliedschaft beim Genossenschaftsverband der Länder e.V. (GVdL) erreichen Sie uns unter info@gvdl.de und www.gvdlverband.de.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle steuerliche oder rechtliche Beratung.



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