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Auszahlung des Geschäftsguthabens: Zeitpunkt, Höhe, steuerliche Folgen

15. Juli
7 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 22. Okt.

Inhaltsübersicht



Wer seine Mitgliedschaft in einer Genossenschaft beendet, möchte zügig wissen, wann das Geschäftsguthaben zurückfließt, wie hoch der Anspruch tatsächlich ist und welche Steuer anfällt. Nach § 73 GenG erfolgt nach Beendigung der Mitgliedschaft die Auseinandersetzung unter Zugrundelegung der Bilanz; das Geschäftsguthaben ist vorbehaltlich § 73 Abs. 4 und § 8a Abs. 2 GenG binnen sechs Monaten nach Beendigung der Mitgliedschaft auszuzahlen. Die steuerliche Behandlung lässt sich nicht allein danach bestimmen, ob der Nennwert oder ein darüber hinausgehender Betrag ausgezahlt wird; je nach Sachverhalt können insbesondere § 17 oder § 20 EStG einschlägig sein. Der Beitrag zeigt die drei Ebenen im Zusammenspiel.


Nahaufnahme einer Sanduhr mit Messingrahmen, der letzte Sand rieselt durch die Engstelle, warmes Fensterlicht.
KI-generiertes Symbolbild (ChatGPT)

Rechtsstand: August 2026 · Dieser Beitrag richtet sich an Vorstände, Aufsichtsräte und Mitglieder von Genossenschaften.


Das Wichtigste in Kürze

  • Der Auszahlungsanspruch entsteht mit Ablauf des Geschäftsjahres, in dem die Mitgliedschaft endet. Die Auszahlung selbst erfolgt spätestens sechs Monate nach Feststellung der Bilanz – die Satzung kann abweichende, längere Fristen vorsehen.

  • Die Höhe entspricht dem Geschäftsguthaben laut Bilanz zum Zeitpunkt der Beendigung, gegebenenfalls gemindert um Verlustanteile. • Die Höhe entspricht dem Geschäftsguthaben laut Bilanz zum Zeitpunkt der Beendigung, gegebenenfalls gemindert um Verlustanteile.

  • Der Nennwert ist einkommensteuerfrei (Rückzahlung der Einlage); nur ein darüber hinausgehender Auszahlungsbetrag ist Kapitalertrag und unterliegt der Abgeltungsteuer von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag.



Zeitpunkt der Auszahlung nach § 73 GenG


Das Gesetz trennt sauber zwischen Entstehung und Fälligkeit des Anspruchs. Bei regulärer Kündigung endet die Mitgliedschaft zum Schluss des Geschäftsjahres (§ 65 GenG). Beim Tod geht die Mitgliedschaft zunächst auf den Erben über und endet grundsätzlich mit dem Schluss des Geschäftsjahres, in dem der Erbfall eingetreten ist, sofern die Satzung keine Fortsetzung nach § 77 Abs. 2 GenG vorsieht. Bei vollständiger Übertragung des Geschäftsguthabens nach § 76 GenG kann die Mitgliedschaft ohne Auseinandersetzung beendet werden. Die Auseinandersetzung erfolgt nach § 73 Abs. 2 GenG unter Zugrundelegung der Bilanz. Den Jahresabschluss stellt nach § 48 Abs. 1 GenG die Generalversammlung fest; sie hat in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres stattzufinden. § 73 Abs. 2 Satz 2 GenG bestimmt vielmehr, dass das Geschäftsguthaben vorbehaltlich § 73 Abs. 4 und § 8a Abs. 2 GenG binnen sechs Monaten nach Beendigung der Mitgliedschaft auszuzahlen ist.


Bei einer zum 31. Dezember wirksam werdenden Beendigung reicht die gesetzliche Sechsmonatsfrist nach § 73 Abs. 2 Satz 2 GenG grundsätzlich bis Ende Juni des Folgejahres; abweichende satzungsmäßige Regelungen nach § 73 Abs. 4 GenG und eine Aussetzung nach § 8a Abs. 2 GenG bleiben zu beachten. Die Satzung kann nach § 73 Abs. 4 GenG Voraussetzungen, Modalitäten und Frist der Auszahlung abweichend regeln; eine gesetzliche Höchstfrist von sechs Jahren nennt die Vorschrift nicht. Bestimmt die Satzung ein Mindestkapital, kann die Auszahlung außerdem nach § 8a Abs. 2 GenG ausgesetzt sein, solange sie das Mindestkapital unterschreiten würde. Für eine pauschale Aussage zur Verzinsung eines noch nicht ausgezahlten Auseinandersetzungsguthabens sowie zu „üblichen“ Zinssätzen bietet § 73 GenG keine Grundlage. Für Geschäftsguthaben während der Mitgliedschaft enthalten §§ 21 und 21a GenG gesonderte Regelungen zur Verzinsung. Für die Fristberechnung sind die gesetzlichen Vorgaben des § 73 GenG, etwaige satzungsmäßige Abweichungen nach § 73 Abs. 4 GenG und gegebenenfalls § 8a Abs. 2 GenG maßgeblich.



Höhe des Auszahlungsanspruchs


Die Höhe entspricht dem Geschäftsguthaben laut Bilanz – nicht dem ursprünglich eingezahlten Betrag und nicht dem wirtschaftlichen Anteilswert. Das Geschäftsguthaben ist der Saldo aus eingezahlter Einlage plus zugewiesener Gewinne minus Verlustanteile und wird pro Mitglied auf einem internen Anteilskonto geführt. Verlustanteile können das Geschäftsguthaben nach Maßgabe des § 19 GenG mindern. Reicht das Vermögen einschließlich der Rücklagen und aller Geschäftsguthaben zur Deckung der Schulden nicht aus, kann das ehemalige Mitglied unter den Voraussetzungen des § 73 Abs. 2 Satz 4 GenG zusätzlich zur anteiligen Deckung eines Fehlbetrags verpflichtet sein, soweit es im Insolvenzfall Nachschüsse hätte leisten müssen. Mitglieder erhalten nicht den wirtschaftlichen Unternehmenswert – stille Reserven, Immobilienwerte oder Firmenwert bleiben bei der Genossenschaft.


Ein Mitglied, das mit mehreren Geschäftsanteilen beteiligt ist, kann nach § 67b GenG unter den dort genannten Voraussetzungen die Beteiligung mit einem oder mehreren weiteren Geschäftsanteilen zum Schluss eines Geschäftsjahres kündigen; die übrigen Geschäftsanteile bestehen fort. Die Satzung kann nach § 73 Abs. 4 GenG Voraussetzungen, Modalitäten und Frist der Auszahlung abweichend regeln. Ein Ausschluss nach § 68 GenG führt für sich genommen nicht dazu, dass die Auseinandersetzung nach § 73 GenG entfällt; sie schließt an die Beendigung der Mitgliedschaft an. Für die Höhe des Auseinandersetzungsanspruchs ist die gesetzliche Abgrenzung zwischen Geschäftsguthaben einerseits und Rücklagen beziehungsweise sonstigem Vermögen der Genossenschaft andererseits maßgeblich.



Steuerliche Behandlung


Die steuerliche Behandlung hängt von den Umständen des Einzelfalls ab; eine pauschale Aufteilung in stets steuerfreien Nennwert und stets steuerpflichtigen Zusatzbetrag ist nicht zutreffend. Bei im Privatvermögen gehaltenen Genossenschaftsanteilen ist insbesondere zu prüfen, ob die Voraussetzungen des § 17 Abs. 1 i. V. m. Abs. 7 EStG vorliegen. Der BFH wertet die Kündigung des Geschäftsguthabens nach § 65 GenG bei qualifizierter Beteiligung als Veräußerungstatbestand im Sinne des § 17 EStG; der Veräußerungsgewinn wird grundsätzlich aus Veräußerungspreis abzüglich Veräußerungskosten und Anschaffungskosten ermittelt. Im BFH-Fall führte die Auszahlung des Nennbetrags bei anschaffungskostenlosen weiteren Genossenschaftsanteilen gerade zu einem steuerpflichtigen Veräußerungsgewinn. Soweit § 17 EStG nicht einschlägig ist, ist insbesondere die Behandlung nach § 20 EStG zu prüfen. Ob Kapitalertragsteuer einzubehalten und eine Steuerbescheinigung auszustellen ist, hängt von der konkreten steuerlichen Einordnung der Auszahlung ab. § 43 EStG knüpft den Steuerabzug an dort bezeichnete Kapitalerträge; eine Besteuerung nach § 17 EStG wird nicht durch diese pauschale Aussage erfasst.


Die Günstigerprüfung nach § 32d Abs. 6 EStG betrifft nach § 20 ermittelte Kapitaleinkünfte. Sie ist daher nur einschlägig, soweit der konkrete Vorgang tatsächlich den Kapitaleinkünften unterfällt und die weiteren gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Anschaffungskosten bestimmen sich grundsätzlich nach den tatsächlich für den Erwerb geleisteten Aufwendungen und entsprechen nicht zwingend dem Nennwert. Die steuerliche Einordnung einer späteren Veräußerung hängt ebenfalls von den gesetzlichen Voraussetzungen ab; bei qualifizierter Beteiligung ist § 17 EStG zu beachten, im Übrigen kann § 20 EStG einschlägig sein. § 73 GenG schreibt keine „Bewertung“ mit einer steuerlichen Aufteilung in Nennwert und Zusatzbetrag in der hier beschriebenen Form vor. Die Auseinandersetzung erfolgt unter Zugrundelegung der Bilanz; etwaige steuerliche Bescheinigungs- und Erklärungspflichten richten sich nach den jeweils einschlägigen Steuervorschriften.



Sonderfälle und Praxisfragen


Einige Konstellationen treten regelmäßig auf. Mit dem Tod eines Mitglieds geht nach § 77 Abs. 1 GenG zunächst die Mitgliedschaft auf den Erben über. Sie endet grundsätzlich mit dem Schluss des Geschäftsjahres, in dem der Erbfall eingetreten ist; die Satzung kann nach § 77 Abs. 2 GenG eine Fortsetzung der Mitgliedschaft durch den oder die Erben vorsehen. Bei Beendigung der Mitgliedschaft des Erben gelten nach § 77 Abs. 4 GenG die §§ 73 und 75 GenG. Bei einer vollständigen Übertragung des Geschäftsguthabens nach § 76 GenG kann die Mitgliedschaft ohne Auseinandersetzung beendet werden. Die steuerliche Behandlung einer Übertragung – auch auf Angehörige – hängt von ihrer konkreten entgeltlichen oder unentgeltlichen Ausgestaltung und den jeweils einschlägigen steuerlichen Voraussetzungen ab. Eine generelle Nachrangigkeit sämtlicher Auszahlungs- oder Auseinandersetzungsansprüche folgt aus § 39 InsO nicht. Wird die Genossenschaft binnen sechs Monaten nach Beendigung der Mitgliedschaft aufgelöst, gilt die Beendigung nach § 75 GenG als nicht erfolgt; durch die Eröffnung des Insolvenzverfahrens wird die Genossenschaft nach § 101 GenG aufgelöst. Die insolvenzrechtliche Behandlung eines bereits begründeten Anspruchs hängt daher vom konkreten Zeitpunkt und Rechtsgrund des Anspruchs ab.


Ein Ausschluss nach § 68 GenG beendet die Mitgliedschaft zum Schluss eines Geschäftsjahres; anschließend erfolgt grundsätzlich die Auseinandersetzung nach § 73 GenG. Ob Gegenansprüche der Genossenschaft bestehen und ob sie gegenüber dem Auseinandersetzungsanspruch durchgesetzt oder aufgerechnet werden können, ist gesondert zu prüfen. § 73 GenG enthält keine allgemeine Pflicht des Vorstands, dem ausscheidenden Mitglied eine „Bewertung“ mit den hier genannten Bestandteilen zur Verfügung zu stellen. Maßgeblich ist die Auseinandersetzung unter Zugrundelegung der Bilanz; weitergehende Informations- oder Nachweispflichten sind gesondert aus Gesetz, Satzung und gegebenenfalls Steuerrecht abzuleiten. Welche Unterlagen für die steuerliche Behandlung benötigt werden, richtet sich nach der im Einzelfall einschlägigen Besteuerung und kann nicht pauschal an eine gesetzlich nicht definierte „Bewertung“ geknüpft werden. Für die rechtliche und steuerliche Beurteilung sind die gesetzlichen und satzungsmäßigen Vorgaben zur Auseinandersetzung sowie die im Einzelfall einschlägigen Steuervorschriften maßgeblich.



Häufige Fragen


Kann die Genossenschaft die Auszahlung verweigern?

Ob eine Auszahlung unterbleibt, ausgesetzt oder zeitlich abweichend geregelt ist, richtet sich insbesondere nach dem nach der Bilanz ermittelten Geschäftsguthaben, § 73 Abs. 2 und 4 GenG sowie gegebenenfalls § 8a Abs. 2 GenG. Eine gesetzliche Höchstfrist von sechs Jahren enthält § 73 Abs. 4 GenG nicht.


Wie wirken sich Verluste auf das Guthaben aus?

Nach § 19 Abs. 1 GenG wird der bei Feststellung des Jahresabschlusses für die Mitglieder entstehende Gewinn oder Verlust grundsätzlich nach dem dort festgelegten Maßstab verteilt; § 19 Abs. 2 GenG erlaubt der Satzung, einen anderen Maßstab zu bestimmen. Eine pauschale Aussage zu „üblichen“ abweichenden Verteilungsmaßstäben ist ohne belastbare Quelle zu vermeiden.


Muss ich für die Auszahlung eine Steuererklärung abgeben?

Eine pauschale Antwort ist nicht möglich. Soweit Einkünfte nach § 20 EStG vorliegen und ein Kapitalertragsteuerabzug mit Abgeltungswirkung erfolgt, kann die Besteuerung insoweit grundsätzlich abgegolten sein; bei einer Besteuerung nach § 17 EStG erfolgt die Erfassung im Veranlagungsverfahren. Die Günstigerprüfung nach § 32d Abs. 6 EStG betrifft nur nach § 20 ermittelte Kapitaleinkünfte.


Erhalte ich Rücklagen anteilig zurück?

Auf Rücklagen und das sonstige Vermögen der Genossenschaft besteht nach § 73 Abs. 2 GenG grundsätzlich kein Anspruch. Nach § 73 Abs. 3 GenG kann die Satzung unter den dort genannten Voraussetzungen einen Anspruch auf Auszahlung eines Anteils an einer eigens zu diesem Zweck aus dem Jahresüberschuss zu bildenden Ergebnisrücklage einräumen.


Was passiert bei einer Fusion vor Auszahlung?

Bei einer Verschmelzung geht mit der Eintragung das Vermögen des übertragenden Rechtsträgers einschließlich seiner Verbindlichkeiten auf den übernehmenden Rechtsträger über (§ 20 Abs. 1 Nr. 1 UmwG). Ein bereits bestehender Auszahlungsanspruch geht damit als Verbindlichkeit über; seine Fälligkeit richtet sich weiterhin nach den für diesen Anspruch geltenden gesetzlichen und satzungsmäßigen Regelungen.


Allgemeine Anfragen an den Genossenschaftsverband der Länder e.V. (GVdL): Kathrin Becher, info@gvdl.de, www.gvdlverband.de.


Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle steuerliche oder rechtliche Beratung.



Quellen




Orientierung und weiterführende Inhalte


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Bildhinweis: Titel- und Illustrationsbilder dieses Blogbeitrags sind KI-generierte Symbolbilder, erstellt mit ChatGPT. Sie sind keine fotografischen Nachweise realer Personen oder Ereignisse.

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