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2026 – Internationales Jahr der Genossenschaften: Was es für deutsche eG bedeutet

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Aktualisiert: 29. Apr.

2026 ist das Internationale Jahr der Genossenschaften. Die UN-Generalversammlung hat das Jahr unter das Motto gestellt, die Rolle von Genossenschaften für nachhaltige Entwicklung, soziale Inklusion und wirtschaftliche Resilienz sichtbar zu machen. Für deutsche Genossenschaften – rund 7.500 eingetragene eG mit über 22 Millionen Mitgliedern – ist das mehr als ein symbolisches Datum.


Luftaufnahme einer Menschengruppe auf grüner Wiese, die eine kreisförmige Formation bildet, warmes Nachmittagslicht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die UN hat 2026 zum zweiten Internationalen Jahr der Genossenschaften erklärt (nach 2012).

  • Ziel: Sichtbarkeit, politische Impulse, bessere Rahmenbedingungen weltweit.

  • Deutschland: rund 7.500 eG mit über 22 Millionen Mitgliedern profitieren von erhöhter Aufmerksamkeit.

  • Chance für einzelne Genossenschaften: Mitgliedergewinnung, Nachwuchsarbeit, Öffentlichkeitsarbeit.

  • ICA koordiniert international, deutsche Verbände und Genossenschaften gestalten vor Ort.



Hintergrund: Warum die UN Genossenschaften ins Zentrum rückt


Genossenschaften sind weltweit eine der ältesten und stabilsten Formen wirtschaftlicher Selbstorganisation. Nach Angaben der International Cooperative Alliance (ICA) gehören über 1,2 Milliarden Menschen einer Genossenschaft an. Die drei größten Genossenschaften der Welt erwirtschaften zusammen einen höheren Umsatz als manche Volkswirtschaften.


Bereits 2012 hatte die UN ein Internationales Jahr der Genossenschaften ausgerufen. Die Erfahrungen waren positiv: In vielen Ländern führte das IYC zu gesetzgeberischen Impulsen, Neugründungen und einer breiteren öffentlichen Wahrnehmung. Mit der Wiederholung 2026 will die UN die Dynamik verstärken – insbesondere mit Blick auf die Agenda 2030 und die Nachhaltigkeitsziele (SDGs).



Was das IYC 2026 für Deutschland bedeutet


Deutschland hat mit rund 7.500 eingetragenen Genossenschaften eine der dichtesten Genossenschaftslandschaften Europas. Die Bandbreite reicht von Wohnungsgenossenschaften und Volksbanken über Energiegenossenschaften bis hin zu Agrar-, Konsum- und Kulturgenossenschaften. Dennoch ist die Rechtsform in der breiteren Öffentlichkeit erstaunlich wenig bekannt.


Das IYC bietet die Gelegenheit, dieses Wahrnehmungsdefizit zu adressieren. In der Vergangenheit hat die mediale Begleitung eines solchen UN-Jahres nachweislich zu mehr Gründungsanfragen geführt. Gleichzeitig nutzen Prüfungsverbände und Landesverbände den Anlass für politische Gespräche über Bürokratieabbau, die GenG-Reform und steuerliche Rahmenbedingungen.



Konkrete Chancen für einzelne Genossenschaften


Das Internationale Jahr ist kein abstraktes Ereignis, das nur auf Verbandsebene stattfindet. Jede einzelne Genossenschaft kann den Anlass nutzen. Mögliche Maßnahmen sind vielfältig: Tage der offenen Tür, Kooperationen mit Schulen und Hochschulen, Social-Media-Kampagnen unter dem IYC-Hashtag, Vorträge bei regionalen Wirtschaftsveranstaltungen oder die Veröffentlichung der eigenen Gründungsgeschichte.


Besonders wirkungsvoll ist die Kombination aus Öffentlichkeitsarbeit und konkretem Angebot. Eine Wohnungsgenossenschaft, die zum IYC eine Besichtigungsaktion für Interessenten organisiert, verbindet Sichtbarkeit mit Mitgliedergewinnung. Eine Energiegenossenschaft, die ihr Bürgerbeteiligungsmodell auf einer Klimamesse vorstellt, erreicht genau die Zielgruppe, die für genossenschaftliche Modelle offen ist.



GenG-Reform und IYC: Zwei Impulse, die zusammenwirken


Das IYC 2026 fällt zeitlich mit der laufenden GenG-Reform zusammen. Die Reform bringt Erleichterungen bei der Gründung, digitale Generalversammlungen und den Abbau von Formvorschriften. In Kombination mit der erhöhten Sichtbarkeit durch das IYC könnten diese Rahmenbedingungen zu einem spürbaren Gründungsschub führen.


Für bestehende Genossenschaften bedeutet das: Die Gelegenheit, neue Mitglieder zu gewinnen, war im Jahr 2026 besonders gegeben. Wer das IYC aktiv bespielt und gleichzeitig die Vereinfachungen der GenG-Reform nutzt, kann das Jahr als strategischen Wendepunkt für die eigene Mitgliederentwicklung nutzen.



Ausblick: Über das Jahr hinaus denken


Ein Internationales Jahr ist kein Selbstzweck. Die Erfahrung von 2012 zeigt, dass die nachhaltigsten Effekte dort eintraten, wo Genossenschaften das IYC als Startpunkt für langfristige Strategien nutzten – nicht als einmalige Kampagne. Wer 2026 Kontakte zu Schulen, Hochschulen oder kommunalen Akteuren knüpft, sollte diese Beziehungen über das Jahr hinaus pflegen.


Die genossenschaftliche Idee ist 2016 in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden. Das IYC 2026 bietet die Chance, diesen Status mit konkreten Geschichten, Zahlen und Gesichtern zu füllen – und die nächste Generation für eine Rechtsform zu begeistern, die älter ist als die meisten Kapitalgesellschaften.



Häufige Fragen


Was ist das Internationale Jahr der Genossenschaften 2026?

Die UN-Generalversammlung hat 2026 zum Internationalen Jahr der Genossenschaften (IYC) erklärt. Ziel ist es, weltweit auf die wirtschaftliche und soziale Bedeutung von Genossenschaften aufmerksam zu machen und politische Rahmenbedingungen zu verbessern.


Gab es bereits ein Internationales Jahr der Genossenschaften?

Ja, 2012 war das erste Internationale Jahr der Genossenschaften. Es führte unter anderem zur Gründung des Committee for the Promotion and Advancement of Cooperatives (COPAC) und zu verstärkten Förderinitiativen in zahlreichen Ländern.


Welche konkreten Auswirkungen hat das IYC 2026 auf deutsche Genossenschaften?

Das IYC erhöht die mediale Sichtbarkeit, fördert politische Gespräche über Rahmenbedingungen und bietet Genossenschaften eine Gelegenheit, mit Veranstaltungen und Kampagnen neue Mitglieder und Nachwuchs zu gewinnen.


Wer koordiniert die Aktivitäten in Deutschland?

Auf internationaler Ebene koordiniert die International Cooperative Alliance (ICA) die Kampagne. In Deutschland beteiligen sich Prüfungsverbände, Landesverbände und einzelne Genossenschaften mit eigenen Veranstaltungen und Kommunikationsmaßnahmen.


Wie können einzelne Genossenschaften das IYC nutzen?

Durch Öffentlichkeitsarbeit, Tage der offenen Tür, Kooperationen mit Schulen und Hochschulen, Social-Media-Kampagnen und die Teilnahme an regionalen und überregionalen Genossenschaftstagen. Das IYC bietet einen Anlass, die eigene Rechtsform zu erklären und Vorurteile abzubauen.



Quellen




Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle steuerliche oder rechtliche Beratung.


Für eine individuelle Einschätzung oder Unterstützung steht Ihnen der Genossenschaftsverband der Länder e.V. (GVdL) gern zur Verfügung. Kontakt: Kathrin Becher, info@gvdl.de, www.gvdlverband.de.

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